| Das aber
dann ganz schnell eines anderen belehrt wird, wenn die Stürme
über die Datça-Ebene fegen und das Meer seine Macht demonstriert.
Es ist wie in einem Schauspiel: Die Gewalt der Natur, die alles mitreißt
und niedermacht und kurz darauf ihre zahme Seite zeigen kann: Es tritt
Stille ein, der Sturm legt sich, das Meer tut so, als sei nichts gewesen.
Besuche ich auf meinen Wanderungen die Dörfer, dann ist die
Herzlichkeit der Menschen, so wie ich das aus Datça kenne.
Die Datçali, die mit ihrem laissez-fairen Lebensstil: Leben
und leben lassen, das Miteinander zwischen den verschiedenen Nationen
so unkompliziert angehen, lassen mich selbst dann noch lächeln,
wenn ich mit dem falschen Bein aufgestanden bin.
Bosver, hayat böyle!!! (Was soll's, das Leben ist halt so)
Am Abend, nach Ausflügen zur Ägäis oder zum Mittelmeer
mit den einsamen Buchten, dem kristallklaren Wasser, den tausend
Gesichtern der umliegenden Inseln, funkeln die Sterne in einer Intensität,
die mich immer wieder fasziniert. Unwichtig fühle ich mich,
wie ein Sandkorn in diesem unendlichen Universum. Dann freue ich
mich, dass ich in einem kleinen und überschaubaren Teil der
Welt leben kann, den es zu bewahren gilt, denn wer das Leben in
Datça liebt, weiß wie wertvoll und selten dies in unserer
Zeit geworden ist.
Dieses Resümee entstand nach rund 26 Jahren Datça Erfahrung.
Teilweise war ich besuchsweise' dort, dann habe ich aber auch
ständig dort gelebt und gearbeitet. Jetzt verbringe ich vorwiegend
die Zeit zwischen September und Mai in Datça. Im letzten
Winter' entstanden die beiden Wanderführer (in deutsch
sowie türkisch/englisch):
Wandern zwischen Ägäis
und Mittelmeer
auf der Datçahalbinsel /
Hiking between the Aegean and Mediterranean
Sea
on the Datça Peninsula
Carla Winkler-Mayer, Mai 2001
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