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TÜRKEI

1 - Wen die Götter lieben... D
atça
2 - Ich suchte immer die Wärme... Ägäis

 
   

Wen die Götter lieben, den schicken sie
nach Datça, zur Insel im Strom der Zeit


Ein bilderbuchhafter Sonnenaufgang geleitet uns heute aus Datça in Richtung Marmaris. Weiter geht unsere Fahrt nach lzmir, und nun stehe ich auf der Fähre, die uns nach Venedig bringt. Wie eine Krake hat sich lzmir über die Hügel ausgebreitet. Etwas traurig denke ich an die überschaubare Stadt von 1975, als ich das erste Mal in die Türkei kam.
Damals hatte ich kurzerhand wegen eines verregneten Sommers meinen Urlaub von Schottland in die Türkei verlegt. Dabei führte mein Weg nach Datça, das mich verhexte und mich seit über 26 Jahren nicht mehr los läßt. Etliche Versuche, mich diesem Zauber zu entziehen, sind (zum Glück?!) fehlgeschlagen. Selbst nach so aufregenden und interessanten Reisen wie von Indien via Pakistan nach Tibet und China musste ich anschließend unbedingt wieder nach Datça...

Ist es Balikasiran, die Meerenge (hier ist das Land zwischen Ägäis und Mittelmeer nur 800 m breit), die den Verstand nimmt und gibt, so wie die Einheimischen behaupten?
Ist es die vielfältige, herrliche Landschaft mit den geschichtsträchtigen Spuren?
Sind es die Menschen, die hier so laissez-faire und frei leben und auch leben lassen?
Ist es die Besonderheit, dass die Halbinsel von zwei Meeren (Ägäis und Mittelmeer) umgeben ist?

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    Die Götter haben mir bisher leider die Erkenntnis verweigert und deshalb versuche ich zu ergründen, warum Datça meine zweite Heimat geworden ist. Dieses Datça mit all seinen Unzulänglichkeiten, die den Einheimischen und Zugereisten hinreichend bekannt sind. Die ich nicht extra erwähnen möchte, denn Liebende sprechen nicht gerne über die Fehler des Geliebten!!! Doch über die Seiten, die mir Datça so liebenswert und dort lebenswert machen, möchte ich an dieser Stelle kurz etwas erzählen:

Eine Leidenschaft von mir ist, wandernd die Halbinsel zu erkunden. Auf diesen Ausflügen, in denen mir stundenlang kein Mensch begegnet, entdecke ich immer wieder Neues. Mal sind es bizarre Schluchten, die im Winter und Frühjahr zu einem Garten Eden gedeihen, mal sind es verschwiegene antike Plätze, die meine Phantasie in längst vergangene Zeiten lockt, mal sind es die überwältigenden Ausblicke auf die umliegenden Berge und die Inseln in der Ägäis und dem Mittelmeer. Hier fühle ich mich frei und es überkommt mich ein Gefühl von Stärke und Unabhängigkeit.


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    Das aber dann ganz schnell eines anderen belehrt wird, wenn die Stürme über die Datça-Ebene fegen und das Meer seine Macht demonstriert. Es ist wie in einem Schauspiel: Die Gewalt der Natur, die alles mitreißt und niedermacht und kurz darauf ihre zahme Seite zeigen kann: Es tritt Stille ein, der Sturm legt sich, das Meer tut so, als sei nichts gewesen.

Besuche ich auf meinen Wanderungen die Dörfer, dann ist die Herzlichkeit der Menschen, so wie ich das aus Datça kenne. Die Datçali, die mit ihrem laissez-fairen Lebensstil: Leben und leben lassen, das Miteinander zwischen den verschiedenen Nationen so unkompliziert angehen, lassen mich selbst dann noch lächeln, wenn ich mit dem falschen Bein aufgestanden bin.
Bosver, hayat böyle!!! (Was soll's, das Leben ist halt so)

Am Abend, nach Ausflügen zur Ägäis oder zum Mittelmeer mit den einsamen Buchten, dem kristallklaren Wasser, den tausend Gesichtern der umliegenden Inseln, funkeln die Sterne in einer Intensität, die mich immer wieder fasziniert. Unwichtig fühle ich mich, wie ein Sandkorn in diesem unendlichen Universum. Dann freue ich mich, dass ich in einem kleinen und überschaubaren Teil der Welt leben kann, den es zu bewahren gilt, denn wer das Leben in Datça liebt, weiß wie wertvoll und selten dies in unserer Zeit geworden ist.

Dieses Resümee entstand nach rund 26 Jahren Datça Erfahrung. Teilweise war ich ‚besuchsweise' dort, dann habe ich aber auch ständig dort gelebt und gearbeitet. Jetzt verbringe ich vorwiegend die Zeit zwischen September und Mai in Datça. Im letzten ‚Winter' entstanden die beiden Wanderführer (in deutsch sowie türkisch/englisch):

Wandern zwischen Ägäis und Mittelmeer
auf der Datçahalbinsel
/
Hiking between the Aegean and Mediterranean Sea
on the Datça Peninsula


Carla Winkler-Mayer, Mai 2001

 
 
   


Für alle Beiträge in der Literaturwerkstatt gilt: Für den Inhalt der veröffentlichten Beiträge sind die Autoren verantwortlich; sie stellen nicht die Meinung der Redaktion dar.
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