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CHILE


 
   

Zwei Jahre in Chile

Mein Name ist Karsten Kelling, ich bin verheiratet, Ingenieur für Geräte- und Mikrosystemtechnik. Geboren wurde ich vor fast genau 30 Jahren in Berlin-Weißensee. Die Frau aus Bodrum ist, wie man sich ja inzwischen denken kann, meine Ehefrau und Chilenin. Ich lebe seit 2 ½ Jahren in Chile, genauer gesagt in Santiago de Chile. "In Chile werden die Toten in der Nord-Süd Achse beerdigt, weil in anderer Position der Kopf in Argentinien und die Beine schon im Pazifik liegen würden." Dies behaupten wenigsten die Chilenen selbst. Welch' seltsames Land, manchmal so sehr vertraut und dann wieder kaum zu begreifen.

Eigentlich kann man in Chile fast nichts sehen, was man nicht auch in irgendeinem anderen Land der Erde in irgendeiner Form finden würde. Nur eben nicht alles zusammen.

Chile ist, wie ich weiß, nicht wie viele verschiedene Länder. Die Sand- und Steinwüsten Asiens und Afrikas finden sich in der Atacama im Norden; und Eiswüsten des Nordpols hier nun in Patagonien und dem Südpol. Dazwischen alle bekannten Klimazonen unseres Planeten.

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    Das alles eingebetet zwischen 4350 km Pazifikküste und der Andenkordilliere. Überhaupt die Anden, einer der Gründe warum ich hier bin und, jedenfalls meiner Meinung nach, warum die Chilenen ihr Land so lieben. Theoretisch sind die Anden von jedem Punkt des Landes zu sehen. Theoretisch, warum nicht praktisch? Praktisch, jedenfalls im Moloch Santiago, verbietet die Luftverschmutzung die Sicht auf die grandiosen Berge. Einer der wenigen Wermutstropfen die ich schlucken muss. Aber zurück zur Geschichte.

Chile erstreckt sich vom 17.30° Breitengrad bis zum 56.30° Breitengrad aber immer schön um den 70° Längengrad herum. Das bedeutet im günstigsten Fall ein Längen-Breitenverhältnis von ca. 10:1 auf dem Südamerikanischen Kontinent. Es addieren sich ca. 3330 km Landmasse bis zum Südpol hinzu die zwischen dem 53° und dem 90° Längengrad zum chilenischen Territorium gehören. Chile ist mit Ausnahme von Russland größer als jedes europäische Land aber unter den Südamerikanischen Staaten nimmt es nur den siebenten Platz ein. Nicht zu vergessen das Rapa Nui, die Osterinsel und auch das Fernandez Archipel, die Insel von Robinson Crusoe, zu chilenischem Hoheitsgebiet gehören. Ich habe über meine Frau Verwandte auf der Osterinsel und denke in der Zukunft werde ich etwas mehr über den Nabel der Welt und der Hummerinsel berichten.

Fast im geografischen Zentrum des Landes, nur etwas weiter nördlich liegt Santiago de Chile, Hauptstadt des Landes und der Punkt um den sich fast alles dreht. Die Santiaguinos, wie sie sich nennen, halten sich und ihre Stadt im allgemeinen für Chile und beinahe haben sie auch recht. Natürlich ist die Behauptung falsch und überheblich, spiegelt aber auch die etwas Realität des Landes wieder. Von den ca. 14 Millionen Chilenen leben etwa 6 Millionen im Großraum Santiago. Der Grossteil des Handels und der Produktion wickelt sich über die Stadt ab und selbst die großen Kupferminen des Nordens oder Lachsfarmen des Südens haben ihre Zentralen hier.
Wenn jemand nach Chile kommt betritt er das Land auf dem Flughafen in Santiago und die Schiffsgüter werden vom Hafen in Valparaiso direkt nach die Hauptstadt verfrachtet.
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  Von da verteilt sich dann alles. Mir als Europäer ist die Stadt seltsam vertraut, sie gleicht sich in vielen Aspekten meiner Heimatstadt Berlin. Die Strassen hier sind im allgemeinen breiter und die modernen Gebäude sind höher, der Mapocho ist so ein Witz von Fluss das er noch nicht mal mit der an sich recht kleinen Spree mithalten kann. Auch ist Santiago von einer geringen Wohnungsdichte, viele Bezirke sind voll mit Einfamilienhäusern selbst in Nähe des Zentrums und von einer Seilbahn mitten in der Stadt ist in der deutschen Hauptstadt auch nichts zu sehen.

Und doch fühle ich mich in Providencia fast wie auf dem Kurfürstendamm. Es mag daran liegen, dass die Chilenen ein sehr gemischtes Volk sind und ich nicht als Ausländer oder Fremder auffalle. Mal abgesehen von Menschen richtig dunkler Hautfarbe fällt eigentlich niemand als Fremder auf. Natürlich nur wenn er nicht den Mund aufmacht. Selbst wenn er Spanisch als Muttersprache sprechen sollte, fällt hier jeder Nichtchilene, sprich die anderen Latinos, gleich auf. Am Anfang hat mich das vielleicht Nerven gekostet. Obwohl ich schon etwas Spanisch sprach und mich auch schon in Spanien mit meinen Kenntnissen ganz gut duchgeschlagen hatte, kam mir dann doch erst mal alles Spanisch vor. Noch heute wenn ich meiner Schwiegermutter zu höre frage ich mich wann sie eigentlich atmet. Auf der Strasse und in der Firma verstehe ich im allgemeinen alles, sollte sie aber mit ihren Schwestern sprechen, bin ich froh zu unterscheiden wann ein Satz aufhört und der nächste beginnt. Auch bedienen sich die Chilenen aus den Sprachen der amerikanischen Ureinwohner, dem Quetschua oder der Sprache der Mapuche. Wörter wie Pfirsich (Durazno), Baby (Guagua) oder auch Bauch (guata) werden nicht von den Spaniern und auch nicht von den Mittelamerikanern benutzt. ...
 

  (Fortsetzung geplant)  
   

Von Karsten Kelling, Santiago de Chile
Mit freundlicher Genehmigung aus www.bb-world.com


Für alle Beiträge in der Literaturwerkstatt gilt: Für den Inhalt der veröffentlichten Beiträge sind die Autoren verantwortlich; sie stellen nicht die Meinung der Redaktion dar.

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