Alento

Fotografie – Alento

Alento

Fotografie

Alle Welt fotografiert

Ein Fotoprojekt von Brigitte Weidmann und Julien Biere

Was treibt uns eigentlich dazu, Alles und Jedes auf einem Bild  festzuhalten?

Wie archivieren wir unsere digitalen Bilder, wie präsentieren wir sie – und wem?

Was machen die Bilder mit uns selbst? Was sind sie uns wert?


Im digitalen Zeitalter besitzt fast jeder Mensch eine oder mehrere Bildmaschinen.

Fotografieren war noch nie so einfach wie heute, ob mit Digicam, Mobiltelefon, Smartphone, Taschen- oder Spiegelreflexkamera, jeder kann unbegrenzt, überall und mit geringem Aufwand Bilder machen. Noch nie in der Geschichte der Menschheit wurden so viele Bilder produziert wie heute.

Laut SZ befindet sich in 88% aller deutschen Haushalte mindestens eine Kamera. Bereits ein Drittel der 6- bis 13jährigen besitzt einen eigenen Apparat. Bei Befragungen geben 36% der Deutschen an, sie schössen pro Jahr mehr als 1000 Bilder.

In immer kürzeren Abständen erneuert der Deutsche seine Ausrüstung, treten die immer leistungsfähigeren und kleineren Kameras an die Stelle der alten. 8,5 Millionen Digitalkameras wurden 2009 verkauft.

Hinzu kommen die Millionen von Handys und Smartphones, die ebenfalls heute schon Bilder mit einer Auflösung anbieten, wie wir sie bis vor kurzem nur von Spiegelreflexkameras kannten. Schließlich werden immer mehr digitale Videokameras verkauft, die über einen Foto-Modus verfügen.

Wir dürfen realistisch davon ausgehen, dass pro Jahr 10 Millionen „Bildmaschinen“ in Deutschland erworben werden.

Welche Folgen hat die Bilderflut für die menschliche Fähigkeit, sich aktiv zu erinnern, für das, was wir gemeinhin „Erinnerungsvermögen“ nennen, ja, für das Verständnis des eigenen Lebens, für den Bezug zur eigenen Lebensgeschichte?

Viele Bilder bleiben im digitalen Nichts. Milliarden Digitalfotos liegen in der Dunkelkammer der Computer. Nur die allerwenigsten bearbeiten sie im „Adobe Lightroom“ am PC.

Entweder versinken die Tausende von Bilddateien in der Verzeichnis-Rumpelkammer des Personal Computers (wo sie vielleicht eines Tages durch einen Plattencrash von ihrem Dasein erlöst werden). Oder sie werden für den schnellen Konsum auf Facebook gestellt oder in einer E-Mail mit einem Einzeiler versehen an die Familie verschickt.

Das allgegenwärtige digitale Fotografieren und sein Ergebnis, der nicht mehr zu bewältigende Berg digitaler Schnappschüsse, unter dem jede aktive Beschäftigung mit dem Bild gewordenen Erleben erstickt, hat eine fatale Folge für das Erinnerungsvermögen und die Aneignung der eigenen Geschichte: Das persönliche Fotoalbum ist tot.

Aber halt! Wir wollen nicht in Kulturpessimismus verfallen. Vielleicht sind die digitalen Fotoalben im Internet, die persönlichen Foto-Blogs und die ebenfalls „Fotobücher“ genannten Printing-on-demand-Produkte neue Wege, das vertraute Fotoalbum und den Diavortrag zu ersetzen.


Shooting Pictures

What drives us to shoot pictures all the time, of everything and every moment?

How do we store our digital images, how do we present them – and to whom?

What effect do the images have on us? How do we value them?

A Photo Project by Brigitte Weidmann and Julien Biere

In the digital age everyone owns one or more “picture machines”. Today, everybody can shoot photos, at any time and any place.

Taking picture has never been easier than today, whether using a digicam, mobile phone, smartphone, pocket or DSLR camera – everybody can produce an unlimited number of images with hardly any effort. Never in mankind’s history have so many images been created than today.

According to German newspaper SZ there is at least one camera in 88% of German households. Even a third of the age bracket of 6 to 13 owns a photo camera. In interviews Germans stated that they shoot more than 1.000 pictures per year.

In ever shorter intervals Germans renew their equipment replacing older models by new, more miniaturized and powerful cameras. Alone in 2009 8.5 million new cameras were sold. Add the millions of mobile phones and smartphones which are also able to capture images at a resolution formerly only known by DSLR cameras. Last, but not least, the new generation of digital movie cameras are also hybrid photo cameras delivering superb stills.

Realistically we may assume at least a number of 10 million “picture machines” being bought every year.

How does this flood of images, however, affect our capacity of actively remembering the moments of our life, our understanding and interpretation of our experience? So many photos end up in digital Nirvana. Billions of image files dust away in the dark chambers of millions of personal computers. Only a few get the privilege of a treatment in “Adobe Lightroom”.

Billions of photos are never watched again. Millions are hastily uploaded to a Facebook page or attached to an e-mail accompanied by a two line message.

The omnipresence of shooting pictures and the on-going avalanche of digital images makes us lose sight of one great loss: the personal photo album.

But let us not engulf in cultural pessimism: Maybe the recent vogue of digital online albums, photo communities, photo blogs, not to mention the photo books printed on demand and the video projected digital “slideshow” do compensate for this loss.


Neue Bilder

Japanerinnen in Paris Japaner in Paris Formentera

Zitat

"Seid Idealisten bis ins Greisenalter. Idealisten, die eine Idee verkörpern. Dann habt ihr gelebt."

Paula Modersohn-Becker

Für eine Ehe gibt es einen sehr einfachen Maßstab: Man ist dann glücklich verheiratet, wenn man lieber heimkommt als fortfährt.

Luise Ullrich

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